Volkskrankheit Depression

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Test soll Therapieerfolg bei Depressionen verbessern

Durch Corona haben Depressionen weltweit zugenommen. Ein Test, der von dem Münchner Start-up HMNC Brain Health gemeinsam mit dem Max-Planck-Institut für Psychiatrie entwickelt wurde, soll nun Ärzten ermöglichen, Antidepressiva bei Patienten gezielter und wirksamer zur Therapie einzusetzen sowie das richtige Präparat und die richtige Dosis zu finden.

Nicht erst seit Corona zählen Depressionen zu den verbreitetsten Erkrankungen überhaupt – und leider auch zu den hinsichtlich ihrer Intensität am meisten unterschätzten sogenannten Volkskrankheiten. Infolge der Pandemie und der damit verbundenen psychischen Belastungen nahm die Zahl der diagnostizierten Depressionen und Angststörungen jedoch noch deutlich zu. Denn auch für die allgemeine Bevölkerung wurde die Lage mit dem zweiten Lockdown spürbar bedrückender. So sollen laut einer aktuellen Studie von australischen Wissenschaftlern des Queensland Centre for Mental Health Research und des Park Centre for Mental Health allein im ersten Jahr der Pandemie weltweit rund ein Viertel mehr Menschen als zuvor unter Depressionen und Panikattacken zu leiden gehabt haben.

Konkret sprechen die Verfasser dieser Studie von global insgesamt mehr als 125 Millionen zusätzlichen Patienten mit Depressionen und Angststörungen. Den Schätzungen der Wissenschaftler zufolge sollen coronabedingt weltweit rund 53,2 Millionen Menschen mehr als zuvor unter schweren depressiven Störungen leiden. Und bei Angststörungen gehen die Forscher davon aus, dass die Pandemie global rund 76,2 Millionen zusätzliche Erkrankungen auslöste. Nicht in diesen Zahlen enthalten sind jene bereits psychisch erkrankten Menschen, bei denen die Kontaktbeschränkungen, die Angst, sich selbst zu infizieren, sowie die Sorge um Verwandte und Freunde eine Verschlechterung ihrer gesundheitlichen Verfassung herbeiführten.

Losgelöst von der Covid-19-Pandemie sollen allein hierzulande nach Einschätzung von Experten Jahr für Jahr rund fünf Millionen Menschen an einer Depression erkranken. Schätzungsweise rund 23 Prozent der Deutschen werden demnach im Laufe ihres Lebens selbst von einer Depression heimgesucht und rund 37 Prozent sind durch erkrankte Angehörige mit betroffen. 

Der Verdacht auf eine Depression liegt nahe, wenn Personen mehr als zwei Wochen lang bedrückt und niedergeschlagen, antriebslos und müde sind, über Schlaf- und Appetitstörungen klagen sowie von negativen Gedanken und allgemeiner Traurigkeit gequält werden. Je früher sich davon Betroffene Hilfe bei einem Facharzt oder Psychotherapeuten suchen und nicht auf gut gemeinte Ratschläge wie „du musst nur mal ausspannen“ hören, desto größer ist ihre Aussicht auf Heilung. Grundsätzlich hat sich bei Depressionen eine Kombination von Psychotherapie und Antidepressiva bewährt.

Eine medikamentöse Behandlung mit Antidepressiva soll vor allem den Beschwerden, die mit Depressionen einhergehen, entgegenwirken: wie Niedergeschlagenheit und Erschöpfung. Außerdem zielt eine solche Therapie darauf ab, den betroffenen Menschen zu ermöglichen, ihren Alltag wieder normal leben zu können sowie Ängste zu lindern. Grundsätzlich gilt für Antidepressiva: Je schwerer die Erkrankung, desto besser die Wirkung.

Individuelle Medikation durch Gen-Test

Jedoch schlagen diese Medikamente auch nicht bei allen Patienten gleich gut an. Der Grund dafür sind individuelle genetische und stoffwechselbedingte Unterschiede zwischen Menschen. Um Ärzte nun bei der Auswahl des individuell richtigen Antidepressivums zu unterstützen, haben Forscher des Münchner Pioniers in der Präzisionspsychiatrie HMNC Brain Health gemeinsam mit dem Max-Planck-Institut für Psychiatrie einen Test entwickelt, der zugleich unerwünschte Nebenwirkungen von Antidepressiva vermeiden soll.

Eine wichtige Ursache für den individuellen Therapieerfolg kann insbesondere der Transport von Antidepressiva durch die sogenannte Blut-Hirn-Schranke darstellen. Sie nimmt eine wichtige Schutzfunktion wahr, indem sie wie eine Barriere verhindert, dass schädliche Substanzen, Krankheitserreger oder Gifte zum Gehirn vordringen können. Gleichzeitig stellt diese Barriere ein stabiles Gleichgewicht bei der Zufuhr von Nährstoffen und dem Abtransport von Schadstoffen zwischen Blut und Nervensystem sicher. Im Prinzip dient die Blut-Hirn-Schranke einem kontrollierten Stoffaustausch zwischen Blut und Gehirn.

Der Test von HMNC Brain Health und dem Max-Planck-Institut für Psychiatrie analysiert nun Gen-Varianten, welche die Blut-Hirn-Schranke beeinflussen und so den Übergang von Antidepressiva ins Gehirn entweder einschränken oder erleichtern können. Anhand einer Blutprobe kann der ABCB1-Test den Ärzten zudem Empfehlungen in Bezug auf die einzusetzenden Wirkstoffe, die beste Dosis sowie für den psychotherapeutischen Ansatz geben. Wie die Entwickler betonen, soll der ABCB1-Test nur einmal durchgeführt werden müssen, sein Ergebnis hingegen lebenslang gültig sein.

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